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Die Bewirtschaftung: Früher

 

Parallel zur Entstehung der heute im Leipziger Auwald dominierenden Hartholzaue ist auch die Nutzung dieser Waldgebiete durch die im Leipziger Raum lebenden Menschen intensiviert worden. Sicher wurde anfangs hauptsächlich Brennholz den Wäldern entnommen, aber auch Bauholz spielte bei der zunehmenden Gründung von festen Siedlungsstrukturen eine immer wichtigere Rolle. Neben dem Holz wurden in der früheren Zeit aber noch viele weitere Ressourcen des Auwaldes genutzt, welche heute bei uns oft in Vergessenheit geraten sind.

 
 
Laßreitel (Stiel-Eiche) im Frühjahr

Laßreitel (Stiel-Eiche) im Frühjahr 

 
 
Bergahorn (Acer pseudoplatanus)

Bergahorn (Acer pseudoplatanus) 

 
 
Holzstabel am Wegesrand

Holzstabel am Wegesrand 

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Forstliche Bewirtschaftung

Mittelwaldwirtschaft bis 1870

Mit der zunehmenden slawischen Besiedlung des Leipziger Raums und der Gründung vieler Siedlungen mit heute noch existierenden Orts- oder Stadtteilnamen wurde auch der Leipziger Auwald immer intensiver genutzt und forstlich beeinflusst.

Durch die Nähe zur Stadt etablierte sich im Laufe der Jahrhunderte im Leipziger Auwald, wie in vielen anderen Wäldern auch, die Mittelwaldwirtschaft. Bei dieser Bewirtschaftungsform wird der Bedarf an verschiedenen Holzsortimenten gedeckt. Das heißt, in den Wäldern wurde ein sehr lockerer, weitverstreuter Bestand an Großbäumen belassen, die sogenannten „Lassreitel“. Unter dem Schirm dieser Lassreitel bildete sich - hauptsächlich aus Stockausschlägen und Wurzelbrut - das Unterholz. Dieses Unterholz wurde aller 15-20 Jahre zur Brennholzgewinnung geräumt. Die Lassreitel, im Leipziger Auwald fast ausschließlich Stiel-Eichen (Quercus robur), waren vor allem zur Gewinnung von Bauholz wichtig. Zusätzlich wurdendie Früchte der Eichen zur Eichelmast genutzt. Die Wälder wurden im Vergleich zu heute sehr licht gehalten, was im Unterholz vor allem die Baumarten mit einem hohen Stockausschlag vorrangig gedeihen ließ.

Schema Mittelwaldwirtschaft

Abbildung: Schematische Darstellung der Mittelwaldwirtschaft (A. Sickert 2001).

Die Mittelwaldbewirtschaftung des Leipziger Auwaldes wurde bis 1870 beibehalten und mit der im selben Jahr durchgeführten Forsteinrichtung beendet.

Durch diese Art der Bewirtschaftung und der herrschenden Standortfaktoren war die Stiel-Eiche (Quercus robur) seit der Zeit der Aulehmablagerung bis zur Aufgabe der Mittelwaldwirtschaft die dominierende Baumart im Leipziger Auwald.

 

Tabelle: Baumartenzusammensetzung im Stadtforstrevier Connewitz und in der Burgaue um 1870 (O. Lange 1959).

 

Tabelle: Baumartenzusammensetzung im Stadtforstrevier Connewitz und in der Burgaue um 1870 (O. Lange 1959).


Connewitz Burgaue
Stieleiche (Quercus robur) 60,0 % 67,0 %
Ulmen (Ulmus spec.) 20,0 % 12,0 %
Hainbuche (Carpinus betulus) 13,0 % 7,3 %
Espe (Populus tremula)               5,0 % 0,3 %
Erlen (Alnus spec.) 0,7 % 2,5 %
Linden (Tilia spec.) 0,6 % 7,3 %
Ahornarten (Acer spec.) 0,4 % 2,7 %
Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) 0,3 % 0,9 %


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Hochwaldartige Bewirtschaftung nach 1870

Nach der Forsteinrichtung (Zustandserhebung und Planungsinstrument in der Forstwirtschaft)  im Jahr 1870 wurde im Leipziger Auwald die Mittelwaldbewirtschaftung aufgegeben. In den darauffolgenden Jahrzehnten bis zur Wiedervereinigung wurde der Leipziger Auwald von der Stadt Leipzig und zur Zeit der DDR vom Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Grimma im Hochwaldbetrieb bewirtschaftet.

Bei der Bewirtschaftung ab 1870 im sogenannten Hochwaldbetrieb überließ man viele Teile des Leipziger Auwalds sich selbst und legte in einzelnen Teilen Kahlschläge an, die anschließend neu bepflanzt wurden. Durch diese Anlage von Kahlschlagflächen und deren anschließender Neubepflanzung entstanden vielerorts gleichaltrige und homogene Reinbestände mit nur einigen Baumarten. Die Waldgebiete, die man lange Zeit sich selbst überlassen hat, wurden wesentlich dunkler als die Wälder über viele Jahrhunderte mit der Mittelwaldwierschaft waren. 
Zusammenfassend werden die Bestände gegenüber dem früheren Waldbild aus der Mittelwaldwirtschaft wesentlich uniformer und bezogen auf die Arten in der Baumschicht wesentlich artenärmer.
Baumarten, die in der Mittelwaldwirtschaft zurückgedrängt wurden und durch diese Bewirtschaftungsart benachteiligt waren (beispielsweise die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior und der Bergahorn (Acer pseudoplatanus) nahmen in den letzten Jahrzehnten bei der Hochwaldwirtschaft zu und wurden gezielt gefördert, da sie höhere Erträge und Wertleistungen erwarten ließen.

Schema Hochwaldwirtschaft

Abbildung: Schematische Darstellung der Hochwaldwirtschaft (A. Sickert).

Um den Bedarf an Massenholz für die Volkswirtschaft der DDR zu decken, wurde seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts im Rahmen eines so genannten "Pappelprogramms" der Anbau verschiedener Pappelsorten verstärkt. Oft wurden Flächen, wo vorher Ulmen (Ulmus spp.) wuchsen, mit Pappeln (Populus spp.) wieder aufgeforstet. Dadurch kommt der relativ hohe Anteil an Pappelhybriden im Leipziger Stadtwald zustande.

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Zusätzliche Nutzungsarten

Nutzung vor allem vor 1870

Neben der Gewinnung von Nutz- und Bauholz wurden vor allem früher alle Wälder auf ganz unterschiedlichen Gebieten genutzt. Vor allem Wälder, die sich besonders nah an Siedlungen befinden unterlagen damit einem großen Nutzungsdruck. Auch der Leipziger Auwald, in unmittelbarer Nähe zu einer schon seit vielen Jahrhunderten bedeutenden Handelsstadt wie Leipzig, wurde intensiv genutzt.

Gräserei

Die „Grasnutzung“ oder Gräserei war sicher die häufigste Nutzung des Leipziger Auwaldes neben der Holzwirtschaft. In dem sehr lichten und eher parkähnlichen Waldbild, welches durch die Mittelwaldbewirtschaftung entstand, waren Gräser viel stärker vertreten als heute. Das Recht diese Gräser zu nutzen wurde von der Stadt Leipzig verpachtet. Da die Gräserei durch die Beeinträchtigung der Gehölzkeimlinge und des Unterwuchses  auch Schäden an der Verjungung des Waldes verursachte, musste die Stadt immer wieder bestimmte Verjungungsflächen schonen und die Gräserei stark einschränken. Die letzten Nachweise für die Vergabe von Nutzungsrechten stammen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges und der Nachkriegszeit da viele Bewohner Leipzig in dieser Zeit Kleintiere und Ziegen züchteten ohne über eigenes Futterland zu verfügen.

Sammeln von Holz

Aufgrund des hohen Brennholzbedarfs einer so großen Stadt wie Leipzig war das Sammeln von Holz im Leipziger Auwald sicher eine der wichtigsten Nutzungsformen des Waldes. Bereits 1165 wurde das Recht des Holzsammelns den Leipziger Bürgern zugeteilt. Nicht wenige Leute damals fanden durch das Sammeln und den Verkauf des Holzes ihr Einkommen. Um das übermäßige Entnehmen von Holz zu verhindern und den Wald besser zu schützen war in vielen Teilen des Leipziger Auwald das Holzsammeln nur an einem oder wenigen Tagen der Woche erlaubt.

Nutzung der Früchte

Bis heute werden die “Früchte“ der Wälder gern gesammelt und gegessen. Sicher denkt man da zuerst an das Sammeln von Beeren, wie Brom- und Himbeeren oder natürlich an das Sammeln von Pilzen. In den vergangenen Jahrhunderten hatte aber auch das Sammeln von Eicheln im Leipziger Auwald eine große Bedeutung. Die Eicheln wurden hauptsächlich zum Füttern von Schweinen verwendet. Um den Bestand der Eichen zu schützen erlaubte die Stadt Leipzig das Eichellesen nur in Mastjahren, das heißt in Jahren, in denen die Eichen besonders viele Eicheln tragen. Trotzdem durften immer nur die Hälfte aller Eicheln gesammelt werden, damit immer genügend Früchte vorhanden sind um die Naturverjungung zu gewährleisten. In Jahren mit wenigen Eicheln mussten diese von den Leipziger Bürgern geziehlt in den Boden zur Keimung gesteckt werden. Die Verpachtung des “Rechts zum Eichellesen“  war in Leipzig über viele Jahrhunderte Brauch und brachte der Stadtkasse nicht unerhebliche Einnahmen.

Waldweide

Heute in Deutschland fast völlig verschwunden war die Waldweide früher sehr weit verbreitet. Vor allem Pferde, Rinder, Schafe und Schweine wurden auch im Leipziger Auwald in den Wald zur Weide getrieben. Beispielsweise auch das vielen bekannte “Rosental“ wurde im 16. Jahrhundert zur Weide verpachtet. Aufgrund der durch die Weidetiere verursachten starken Schäden an den jungen Gehölzen  wurde diese Form der Waldnutzung schon im frühen 18. Jahrhundert sehr stark eingeschränkt.

Jagd

Neben der Nutzung des Waldes als Weide für Haustiere hatte die Stadt Leipzig bereits seit 1475 das Jagdrecht. Besonders in Zeiten der Kriege (beispielsweise des Siebenjährigen Krieges) und aufgrund verschiedener Dekrete seitens des Sächsischen Königs Anton (1755 bis 1836)  wurden die Wildbestände sehr stark reduziert.

Eichenlohe

Die zum Gerben von Leder benötigte Lohe (Rinde, Blätter und Holz von verschiedenen Baumarten) wurde im Leipziger Auwald meist von Stiel-Eichen (Quercus robur) als sogenannte Eichenlohe gewonnen. Diese Rohstoffe für die Gerberei wurden bis Anfang des 18. Jahrhunderts in größeren Mengen dem Leipziger Auwald entnommen.


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Nutzung nach 1870

Besonders in den Zeiten der beiden Weltkriege unterlag der Leipziger Auwald einem großen zusätzlichen Nutzungsdruck. So wurde in den Jahren des Ersten Weltkriegs und der Nachkriegszeit beispielsweise der Leipziger Auwald in einigen Teilen für das Gewinnen von Brennnesseln (Urtica dioica) und das Sammeln von Laubheu freigegeben. In der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges wurden große Flächen eingeschlagen, um die Bevölkerung mit Brennholz zu versorgen (in den ersten Nachkriegsjahren im Leipziger Stadtwald durchschnittlich ca. 15.000 m³ Holz). Durch Kriegsschäden, Reparationsleistungen und Hiebe zur Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz sank der Vorrat der Stadtwälder erheblich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der verstärkte Abbau von Braunkohle im Tagebaubetrieb in der Leipziger Umgebung. Diesem fielen Hunderte Hektar wertvollen Auenwaldes zum Opfer. Noch 1989/90 wurde große Gebiete im südlichen Auwald abgeholzt um Platz für den Tagebau Cospuden zu schaffen.

 

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